Biographie

Hanna Fearns wurde die Musik sozusagen in die Wiege gelegt: Ihre Großmutter mütterlicherseits tingelte als Vortragskünstlerin mit deutschen Kunstliedern um die Welt, in der Familie ihres aus Liverpool stammenden Vaters war das Singen und Spielen von Folksongs so selbstverständlich, wie der Fünf-Uhr-Tee. Hanna lernte mit zehn Jahren Klavier spielen, mit zwölf Jahren Gitarre.

Die Inspiration dafür kam aus dem Plattenschrank der Eltern: kaum, dass sie die ersten drei Akkorde beherrschte, stürzte sie sich auf die Songs von Bob Dylan, Joan Baez, Joni Mitchell und The Beatles. Mit 13 Jahren war sie ein großer Fan des chilenischen Songwriters Alavro Peña-Rojas, der gemeinsam mit The Clash-Sänger Joe Strummer die Pubrock-Legende The 101’ers gegründet hat und seit seinem Umzug nach Konstanz gerne bei Hannas Eltern zum Tee vorbei kam. Sie begleitete ihn regelmäßig zu den Proben seiner Band, besuchte seine Konzerte und interessierte sich sehr für seine verschrobenen Songs.

Als Hanna mit 15 durch Europa trampte, machte sie Straßenmusik, um die Reise zu finanzieren. Ihren ersten „Bühnenerfolg“ feierte sie in Antwerpen, wo sie bei einem „Open Mic Abend“ das Publikum mit einem Set von Joni Mitchell-Songs begeisterte. Hanna FearnsMit 16 überraschte sie sich und ihre Umgebung mit einer ungeplanten Schwangerschaft und wurde mit 17 Mutter eines Sohnes. Ihre Pläne, nach London oder Berlin zu gehen und eine Karriere als Musikerin zu starten, waren damit zunächst gestorben. Sie lebte mit ihrem Sohn in einer Punk-WG, machte Zuhause Musik und gründete mit einem Freund ihre erste Band als sie 19 war. Die beiden schrieben einen Song nach dem anderen und setzten ihre Ideen mit Stimme, Bass, Gitarre und Keyboard um. Und obwohl ihre Musik die Mitte der 80er-Jahre vom New-Wave diktierten Plastik-Sounds alles andere als außen vor ließ, war Hannas Leidenschaft für Folk schon damals deutlich vernehmbar.

Dann entdeckte Hanna ihr Faible für Country, Tex-Mex und Americana. Den Impuls dazu lieferte Donath Heppeler, der Wirt jener Kneipe, in der sie während ihres gesamten Studiums jobbte. Als bekennender Fan holte er Künstler wie Flaco Jiminez an den Bodensee und spät nachts, wenn alle betrunken und anhänglich waren, kamen bei ihm die Engtanz-Country-Schunkler auf den Plattenteller. Infiziert von der Sentimentalität und Hingabe dieser ganz besonderen Abende reiste Hanna erstmalig in die USA und ließ sich auf einem Conjunto- und Texmex-Festival in San Antonio endgültig bekehren.

Kaum war sie wieder zurück, gründete sie ihre erste Country-Band: Mit Easy Country coverte sie die Songs ihrer neuen Helden wie Gram Parsons, Emmylou Harris, Hank Williams, Patsy Cline, Maria McKee und Johnny Cash. Beflügelt vom Erfolg der Live-Auftritte und einer ersten EP der Band, begann sie zunehmend eigene Songs zu schreiben. So wurden aus Easy Country schließlich fearns. Americana, Alternative Country und Indierock waren die stilistischen Einflüsse, Calexico, Giant Sand und Lucinda Williams wichtige musikalische Referenzpunkte. 1998 veröffentlichten fearns die EP „Language of the Moment“,  2002 dann mit „Impatient Heart“ das erste eigene Album. Es folgten eine ganze Reihe von Support-Shows für u. a. Rich Hopkins, Heather Miles und Hazeldine, sowie zwei Club-Touren durch Deutschland.

Als 2006 ihr Sohn zum Masterstudium auszog, entschied sich Hanna, einen Teil ihres Lebens in Köln zu verbringen und pendelte fortan zwischen Bodensee und Rheinland. Die Situation bei fearns wurde zunehmend schwierig, der Gitarrist zog nach Bern, der Bassist stieg aus. 2008 nahm die Band mit „Fearns Live – Beyond Expectations“ noch ein Live Album auf,  trennte sich aber aufgrund andauernder Differenten 2009 schließlich ein für alle Mal.

Bereits vor dem Split und ihrem endgültigen Umzug nach Köln kam Hanna der Gedanke, unabhängig von ihrer Band ein Studioprojekt zu starten, um ihre  Songs mit Profis ganz nach ihren eigenen Vorstellungen umzusetzen. In Hubl Greiner von der Avantgarde-Rock-Legende The Blech fand sie schließlich einen kongenialen Produzenten, mit dem sie jene elf Songs erarbeitete, die bald auf „Sentimental Bones“ zu hören sind – dem ersten Solo-Album von Hanna Fearns.

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