Fearns – Sugar
VÖ-Datum 23.01.2026 digital
Die erste Single aus dem kommenden, dritten Album der Kölner Künstlerin Hanna Fearns, behandelt ein vermeintlich schweres Thema mit überraschender Leichtigkeit, denn obgleich »Sugar« von Sucht und/oder von toxischen Beziehungen spricht, hat der Song vor allem ein großes Thema: Trost.
Dieser Balanceakt zwischen Schwere und Leichtigkeit gelingt Hanna nicht nur in lyrischer, sondern auch in musikalischer Hinsicht: Dem getupften Piano setzt sie Backgroundchöre entgegen, die klingen, als hätte man kurzerhand ein paar Gespenster engagiert, die seit den 60ern im Studio abhingen, und die Süße des luftigen Refrains kontert eine geheimnisvoll dräuende Reverb-Gitarre, die sich auch in einem Morricone-Soundtrack zuhause gefühlt hätte. Apropos Soundtrack: Obwohl »Sugar« eher zurückhaltend arrangiert ist, entfaltet der Song eine fast schon cineastische Bildkraft.
Wenn Hannas sanft verhallter Gesang einsetzt, dann meint man beinahe, einer Radioübertragung aus den Räumen des New Yorker Brill-Buildings zu lauschen, die vor langer Zeit im Äther verloren gegangen ist, dem geisterhaften Echo der Last-Dance-Ballade einer lange vergessenen Girlgroup, deren Name auf -elles oder -ettes endete. Musik, die in einem Moment unglaublich nah und präsent ist, und im nächsten kurz davor scheint, sich wieder in jene phantasmagorische Popwelt zurückzuziehen, aus der sie stammt, nur um diese warme Aura zurückzulassen, der bei aller Wehmut immer noch der hoffnung- und kraftspendende Glamour dieser Ära anhaftet.
Und das ist das wahre Wunder, der eigentliche Zauber von »Sugar«: Diese Momente, die wie entfernte Scheinwerfer über einem Hügel auftauchen, verleihen dem Song eine bestärkende Zärtlichkeit, eine Art Power-Softness, die in Verbindung mit Hannas wundervollem, zugewandten Gesang und ihren wachen, einfühlsamen Lyrics alles leistet, was ein guter Popsong leisten kann: »Sugar« wirkt wie eine Umarmung. Auf nicht einmal drei Minuten Länge spendet dieser Song Wärme, Halt und Trost.
Musik, die regelrecht danach verlangt, auf Vinyl gepresst zu werden, damit sie irgendwann wohlig knackt und knistert, wenn man sich an ihrer Flamme Herz und Hände wärmt.
